FLUNK
FLUNK :
" for sleepyheads only "
(Beatservice / April / Plattenmeister / Indigo)
SLOWPHO :
" hi-fi sounds for young norwegians "
(Beatservice / April / Plattenmeister / Indigo)
SLOWPHO
Eine gutturale männliche Stimme macht am Anfang schon Alles klar: "music, i love music - rockīnīroll, rhythm and blues, jazz - i love all kind of music". Dementsprechend gibt es für FLUNK nur zwei Arten von Musik: gute und schlechte. Wie wahr!
Ja und genau darum geht es: Musik von Musikjunkies für Musikjunkies. "the chemistry of your kiss" ist auch die Chemie dieses Songs. "this time i know itīs gonna be for real" - realistische Liebeslieder halt.
Nach dieser in funkigen Beats verpackten einleitenden Liebeserklärung schließlich kommt als Bestätigung und auch als Beweis dafür, dass man sich in der Musikgeschichte auskennt, eine Coverversion eines der meistverkauften Songs ever, von NEW ORDERs "blue monday". Das Tempo etwas heruntergepitscht, entfaltet dieses tolle Lied im neuen Gewand erst recht seine ungebrochene magische Anziehungskraft. Großartig! Auch die Einbeziehung der obergenialen WATERBOYS kommt gut. Hört Euch "sunday people (don't bang the drum)" genau an, dann versteht ihr vielleicht, was ich meine.
Der Gesang ist meistens betörend und der männliche Part erinnert öfters einmal an die beste Band der Welt, an FAITHLESS. Ich sag's Euch, auch diese Norweger sind mal wieder riesig.
Apropos Gesang: die Stimme der beiden Sängerinnen gemahnt in ihrer nebulösen Verhalltheit, in ihrer Verschnupftheit, ja in ihrer ernsthaften Unaufdringlichkeit stark an BJÖRK und ist überhaupt sehr angenehm.
Aber nicht nur die Stimme von ANJI (demnächst auch als Solo-Act zu bestaunen) erinnert an die Isländische Diva, nein, auch die musikalische Ausgestaltung lässt öfter an BJÖRK denken. Ob Neodub, Neujazz oder Novasoul, die Norweger beherrschen einfach alle diese Spielarten moderner elektronischer Musikbefindlichkeit, und das bravourös.
Eindeutig 'ne geile Scheibe. Eine CD für Samstage im Bett: anheimelnd und gemütlich, angenehm uneilig. Und auch dies ist aus solcher Art zeitgeistiger Musik seit TRICKY nicht mehr weg zu denken: Es gibt auch auf "for sleepyheads only" ein wunderschönes Duett zwischen der elfengleichen ANJI und ihrem männlichen Gegenpart. Dieser ist dann eben auch für den FAITHLESS-Vergleich verantwortlich zu machen.
Das alles klingt ziemlich bekifft oder doch zumindest einfach heftig naturstoned. FAITHLESS die beste Band der Welt? FLUNK die Zweitbeste? Wenn, dann JA!

Und hier kommt die Platte für den Sonntag.. SLOWPHO spielen eindeutig in der selben Liga wie FLUNK. Auch hier: Musik, bei der man das Bett nicht verlassen möchte.
Aber wenn mir bei FLUNK Assoziationen an BLÖRK in den Sinn kommen, umflirren mich bei SLOWPHO zeitweise Gedanken an JONI MITCHELL. Manchmal aber auch an RICKIE LEE JONES (beide Vergleiche beziehen sich auf den Gesang, weniger auf die Musik). Im Gegensatz zu FLUNK ist SLOWPHO allerdings wesentlich Drum'n'Bass-lastiger. Gefällig auch die Trompete im Hintergrund und der erneute Einsatz der Star-Trek-Tür - Pfitsssch -, wie sie auch von ihren Landsleuten ILLUMINATION eingesetzt wird.
Wellnesssound jedenfalls mit leicht melancholischer Stoßrichtung und international inspiriert. Die Seele baumeln lassen und den Alltag vergessen, denn das Leben ist ja schon hart genug. Eine Kultur, die auf Rückschau, auf Innehalten, eben Langsamkeit zumeist verzichtet, braucht wahrscheinlich solch eine Musik. Wer in der norwegischen Einöde aufwuchs, hat auch oft musikalisch schwer etwas los; weitere Beispiele kommen beispielsweise aus Trondheim (MOTORPSYCHO) oder Oslo (BUGGE WESSELTOFT, NILS-PETTER MOLVÆR).
Melancholische Soundcollagen können manchmal zu Tränen rühren. Die Frage, die ich mir hier stelle, ist: Macht Einöde kreativ?
O-Ton Christian Watkins (Electronics/Programming) und Hilde Drange (Gesang): "Das einzige, was wir wissen ist, daß wir mit allem, was es gibt, herumfiedeln und vom abgedrehten Sound bis zu Streicher-Arrangements alles verwerten, was uns gefällt" (Waschzettel). Ein total gelungenes Debutalbum!