THE JOLLY BOYS (feat. ALBERT MINOTT)
THE JOLLY BOYS (feat. ALBERT MINOTT): great expectation
(Wall of Sound Records / PIAS / Rough Trade Vertrieb/Distribution / Lc07800)



Ja, das ist ja mal wieder was Neues!
Das 'BUENA VISTA'-Virus macht scheinbar Inselhopping in der Karibik. Nun hat es also das nächste Eiland erwischt. Next Destination: Jamaica!!!
Im 'old-spliff-bong-motel', auch bekannt als 'irie-look-chalice-house', geht der karibische Tanz-Tee weiter.
Ein zweites bekanntes Virus scheint dort, im Rasta-Altersheim ebenfalls zu grassieren. Und zwar das der Interpretation von bekannten Liedern. Hier nehmen sich die alten Herrschaften vor allem Rock- und New Wave-Klassiker zur Brust (u.a. "riders on the storm" von THE DOORS, "golden brown" der STRANGLERS und NEW ORDERs "happy Monday"). Aber auch IGGY POPs "nightclubbing" und der "passenger" finden ihren Weg zu den "fröhlichen" Jungs.
Die Musikrichtung der JOLLY BOYS ist dabei der Mento, die ursprünglichste Form jamaikanischer Musik, entstanden in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts vor Upsteady, Ska und Reggae.
Bekannt wurden die JOLLIEs auf der Insel allerdings erst in den 50er Jahren, als sie mit ERROLL FLYNN oder mit dem 'Rat Pack' von FRANK SINATRA auftraten und um die Häuser zogen. ALBERT MINORT, jetziger Sänger der Kapelle, hat auch bereits zu jener Zeit eine Karriere als Limbo-Tänzer und Feuer-Schlucker gelebt.
Originell und einzigartig sind die JOLLY BOYS auf jeden Fall bis an den heutigen Tag. Sie sind die bekanntesten Mento-Künstler und "great expectation" ist die Wiedergeburt dieses jamaikanischen Folklore-Stils.
Etwas Interessantes ist mir im Besonderen beim Song "i fought the law" aufgefallen: Zum einen wurde der CLASH-Klassiker gekonnt zerhackstückelt und verlangsamt. Daraufhin legte man dann zum anderen die Folie des inseleigenen Musikgenres Ska an und schickte alles erneut durch den Fleischwolf - eine doppelte Dekonstruktion sozusagen. Ich könnte mir hier sogar ein Tripple vorstellen, wenn nämlich sich elektronisch-generierte Drum'n'Bass- oder 2Step-Rhytmen dazu gesellen würden. Aber vielleicht bastelt ja schon jemand daran (?).
Insgesamt ist das Werk zwar ambitioniert, in meinen Ohren aber etwas zu eintönig ausgefallen. Es ist schon verblüffend homogen, wenn Songs aus den 60ern/70ern und 80ern in so ähnlicher Manier daherkommen. Schuld daran könnte allerdings auch die Instrumentierung sein, denn vor allem das all gegenwärtige Banjo führt zu diesem kritikfähigen Wiederkennungswert. Darüber hinaus tut natürlich auch das rasselnde Organ von ALBERT MINOTT, seine durch die Zähne gepresste Lauterzeugung, sein Übriges zu diesem repetitiven Eindruck.
Selbiges ist mir übrigens auch beim Buena Vista Social Club passiert. Aber wie bei diesem gilt auf jeden Fall auch hier: sehr sehr Hörenswert!!

Andy Gehling

http://www.myspace.com/wearejollyboys
http://jollyboysmusic.com/
http://en.wikipedia.org/wiki/The_Jolly_Boys
http://www.youtube.com/watch?v=9ercT7DYpfQ&feature=related
http://www.wallofsound.net/
http://www.myspace.com/piasgermany
http://www.piasgermany.de/
http://www.myspace.com/roughtradedistribution
http://www.roughtrade.de/

SONGLISTING
VARIOUS ARTISTS: "great expectation"



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