Es hat mal jemand gesagt, dass so viel Musik aus Manchester kommt, weil es da häufig regnet. Man hat also viel Zeit, sich mit Mucke zu beschäftigen. Daher gibt es dort eine Menge guten Sounds. JOY DIVISION, A CERTAIN RATIO, NEW ORDER, HAPPY MONDAYS, die STONE ROSES kamen aus der nordwest-englischen Metropole. Mithin das Factory-Label, auf dem die meisten von ihnen zu Hause waren.
Madchester wurde so zum Geburtsort des Rave-Sounds, von Acid-House und der Dark Wave.

Dieser Sound, wie gerade von JOY DIVISION und NEW ORDER ist nicht tot zu kriegen. Er lebt weiter in der Musik von jungen Manchester-Bands wie EXIT CALM, MAY 68, DELPHIC oder LOWLINE.
Und auch der szenebildende Club Hacienda, ehemaliger Drogentempel aber eben auch Brutstätte von Rave und des anarchischen Acid-House, findet im Factory 251 seine Fortführung, wo sich heute alle in den Räumlichkeiten des ehemaligen Factory-Labels treffen.


Factory-Label
LOWLINE: monitors LOWLINE: the sound of music LOWLINE: gun in my side
LOWLINE: monitors/the sound  of music/gun in my side
[online-MCD/7"]
(1-2-3-4 Records)

www.myspace.com/thisislowline
www.facebook.com/pages/LOWLINE
www.myspace.com/1234records
www.1234records.com/

Besonders an die gitarrenlastige Fraktion der Wave-Klassiker erinnert mich die druckvolle Musik der 4er Bande LOWLINE. Ihre polyphonen Gitarrenwände stehen in der Tradition von Bands wie THE JESUS AND MARY CHAIN oder MY BLOODY VALENTINE. Treibende Ethno-house-drums, pumpend-verschwommene Bassläufe und eindringlicher Gesang kommen noch dazu.
Nachdem die singles "monitors"(04/08), "the sound of music"(09/08) und "gun in my side" als 7" und download via 1-2-3-4 records erschienen, starteten sie mit Touraktivitäten (THE ENEMY und HAPPY MONDAYS) richtig durch.
Die von Owen Morris (OASIS, NEW ORDER) produzierten songs zeigen bereits die intensiven, dunklen Qualitäten von LOWLINE. Weiterhin wird dieses Jahr ein Longplayer erscheinen, wofür die Jungs aber noch ein Label und einen deutschen Vertrieb suchen. Viel Glück.
Macht euch auf was gefasst.


DELPHIC: counterpoint DELPHIC: acolyte
DELPHIC: counterpoint /
acolyte
[7" / CD]
(Chimeric Records / Coope-
rative Music / Universal)

www.myspace.com/delphic
drownedinsound.com/direc-
tory/labels/Chimeric

www.myspace.com/coope-
rativemusicgermany

www.myspace.com/univer-
salmusic


Label und deutschen Vertrieb gefunden haben bereits DELPHIC, ein weiterer vielversprechender Neuling aus Manchester. Cooperative Music, ein kleines Label aus Berlin, haben die drei smarten "mancs" unter ihre Fittiche genommen und das erste Album "acolythe" Anfang des Jahres in Deutschland veröffentlicht.
Bereits die Debutsingle "counterpoint" katapultierte die Band aus dem Schatten von Vorgängern wie NEW ORDER heraus in einen Kosmos jenseits der Gitarrenhegemonie. Anders als bei LOWLINE mit ihrer Brett-Dominanz stehen bei DELPHIC allerdings mehr die Computer im Vordergrund. So können sie eine Musik auf dem Laptop kreieren, die live durch "echte" Instrumente erweitert, eher an ein DJ-Set ohne Unterbrechungen gemahnt, als an Rockmusik.
Keyboarder Richard Boardman meint dazu: "Die Gitarre ist tot, lang lebe die Gitarre! Man kann sie mehr wie einen Synthesizer benutzen und so viel mehr heraus holen, als nur Akkorde zu spielen."
Alle drei wollen als Künstler wahrgenommen werden und nicht als klischeebehaftete, ständig alkoholisierte Rockstars. Sie sind eher unendwegt mit Computer und Aufnahmegerät weltweit unterwegs, um neue Klänge zu sammeln und in Manchester daheim in ihre Konstrukte zu integrieren. Diese Sounds- und Beatzsammler der Globalisierung beabsichtigen gar, die Tracks ihrer nächsten Platte nach den interessantesten Orten zu benennen, an denen sie strandeten.
Ihre Musik ist ansonsten frikkelig und sphärisch, ja beinahe mystisch und hypnotisch. Sie setzt sich schnell in den Kopf und mutiert dort zum Ohrwurm. DELPHIC`s single "doubt" schaffte es schließlich in so einige Playlists von WDR bis NDR und in England landete "acolythe" sogar in den Album-top-ten.




Beide Bands verwenden das Motivinventar der alten New Wave, um sie in`s 21. Jahrhundert rüber zu führen. Die klassische "do-it-yourself"-Attitüde von Factory-Records der früheren Tage, wo alles aus einem Guss erschien, ist passe, wie das Label selbst, und einer zeitgemäßen, mehr individualistischen, personalisierten Produktions- und Vertriebsweise für das Internet gewichen. Personal Computer und my-space sei Dank!?
Somit sind die neuen Wellen der New Wave im Laptop-Zeitalter angekommen und spannend wie eh und je.

Andy Gehling


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